Dieser Artikel bündelt die wichtigsten Fakten zum Instrument in Kurzform, um allen Interessenten einen ersten Überblick über die wichtigsten Eckpunkte zu verschaffen. Viele Aspekte sind so interessant, dass sie eine nähere Erörterung verdienen und werden ausführlicher in separaten Artikeln behandelt. Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich über Feedback und Fragen!

 

Die Bauweise der Shamisen

Die Shamisen ist ein japanisches Saiteninstrument, dessen vielleicht auffälligste optischeCharakteristika der schlanke lange Hals und der mit weißer Haut bespannte Korpus sind, die dem ganzen Instrument ein sehr elegantes Äußeres verleihen. Der hohle Korpus selbst ist, wie der Rest des Instruments, aus Holz geschnitzt. Es gibt verschiedene Hölzer, die traditionellerweise für den Bau verwendet werden: Karin, Shitan und Kouki.  In den letzten Jahren gibt es unter Shamisen-Bauern mehr Experimentierfreude bezüglich der verwendeten Materialien, teils um Einsteigerinstrumente kostengünstiger anbieten zu können, teils einfach um den eigenen Horizont zu erweitern.
Oft liest man, die Shamisen sei eine „japanische Gitarre“. Abgesehen von der generellen Spielhaltung gibt es wenige Parallelen zur Gitarre. Nach europäischer (westlicher) Klassifikation fällt die Shamisen in die Kategorie der Spießkastenlauten einzuordnen, da der Hals wie ein Spieß komplett durch den Korpus (den Kasten also) geführt wird und am unteren Ende des Korpus wieder herausragt. 

Shamisen ohne Haut. Deutlich erkennt man hier, wie der Spieß/Hals durch den kompletten Korpus läuft und am unteren Ende hervorragt. Auf dem unteren Bild ist angedeutet, wie sich der Hals in drei Teile zerlegen lässt. 

Die Saiten (ito) laufen vom elegant geschwungenen Kopf (tenjin) über einen langen bundlosen Hals (sao) und weiter über den mit Tierhaut bespannten Korpus (dou). Am unteren Ende des Spießes (Verlängerung des Halses) sind sie an einem seidenen Knoten (neo) befestigt. Die Saiten ruhen auf dem Korpus auf dem beweglichen Steg (koma) und werden mit einem großen, Spatel-ähnlichen Plektrum (bachi) angeschlagen. Unabdinglich für flüssiges Spielen ist außerdem das (in Ermangelung eines besseren Begriffs) “Fingerhöschen” (yubisuri) (siehe Bilder unten), das über Zeige- und Ringfinger gezogen eine kleine Hängematte bildet, die den schnellen Positionswechsel am Hals erleichtert.

So klein das Fingerhöschen Yubisuri auch ist, man merkt sofort, wenn es fehlt. Der Effekt ist vergleichbar mit dem Rutschen über glatten Parkettboden, wenn man Filzpantoffeln oder Wollsocken trägt!

Shamisen werden in drei größere Untergruppen differenziert. In Anpassung an die Verwendung in verschiedenen Genres und Zusammenhängen hat sich die Grundform der Shamisen seit dem 16. Jahrhundert in verschiedener Weise weiterentwickelt. Diese Untergruppen sehen auf den ersten Blick einander sehr ähnlich, weisen aber bauliche Besonderheiten auf, besonders was die Dicke des Halses und die Größe des Korpus (= Klangkörper) betrifft. Diese Unterschiede wirken sich auf den Klang bzw. die Spielweise aus und führen dazu, dass bestimmte Genres bestimmten Bauweisen zugeordnet werden. Shamisen ist also nicht gleich Shamisen, aber man kann auf jedem Instrument jeden Stil spielen. Wichtiger als die fixe Korpusgröße und Halsbreite sind für den charakteristischen Klang der verschiedenen Genres die Ausgestaltung der variablen Elemente: die Höhe des Komas (Brücke), die Größe des Bachi (Plektrum) – und natürlich die aktive Klangerzeugung, also die Schlag- und Greiftechnik.

Nagauta Shamisen, Jiuta Shamisen, Tsugaru Shamisen – oder Hosozao, Chuuzao und Futozao? 

Wenn man weiß, worauf man achten muss, kann man die verschiedenen Arten von Shamisen leicht unterscheiden. Je nach Bauweise unterscheiden sie sich in folgenden Details: a) Dicke des Halses, b) Korpusgröße, c) Wirbelgröße d) Übergang zwischen Griffbrett und Korpus.
Allerdings gibt es oft Mischformen, die dadurch entstehen, dass einzelne Parameter an die “Bauweise” des Spielers angepasst sind. Beispielsweise ein dickerer Hals für einen größeren Spieler, oder einen dünneren Hals für einen besonders zarten Spieler. Aber das sind die berühmten „Ausnahmen von der Regel“.
Die Unterteilung in die drei Kategorien Hosozao/Nagauta Shamisen,Chuuzao/Jiuta Shamisen und Futozao/Tsugaru Shamisen hat schwimmende Grenzen. Die Begriffe werden oft synonym gebraucht, aber tatsächlich sind sie in der Bedeutung nicht identisch. Denn während Nagauta, Jiuta und Tsugaru die Genres und damit verbundenen Spiel-Stile bezeichnen, beziehen sich Hosozao, Chuuzao und Futozao auf die Halsdicke. Hosozao heißt übersetzt “dünner Hals”, chuuzao “mittlerer Hals” und futozao “dicker Hals”. Die Bezeichnungen sind also sehr plakativ. 
Warum also der häufige synonyme Gebrauch? Entsprechend der unterschiedlichen Anforderung an das Instrumentalspiel haben sich für die verschiedenen Genres bestimmte Bauweisen durchgesetzt. Das bedeutet, dass die Paarung Hosozao/Nagauta Shamisen,Chuuzao/Jiuta Shamisen und Futozao/Tsugaru Shamisen die geläufige Kombination ist. Deshalb werden die Genrebezeichnungen gerne synonym für die Bauweise gebraucht. Aber faktisch kann man auf jeder Bauweise jedes Genre spielen. Deswegen ist es wichtig, sich die Unterscheidung bewusst zu machen. 

Tenjin und Itomaki im Vergleich:

von l nach r: futozao, chuuzao, hosozao

© Su Bunjamin

Dou im Vergleich:

von l nach r: futozao, chuuzao, hosozao

© Su Bunjamin

Griffbretter im Vergleich:

von l nach r: futozao, chuuzao, hosozao

© Su Bunjamin

Hosozao, typisch für Nagauta Shamisen

Hosozao (wörtlich dünner Hals) Shamisen sind die schlankste Variante mit einem schmalen Hals, schlanken itomaki und einem kleinen Korpus. Ein für die Spielweise wichtiger Aspekt, der  diese von den anderen beiden Bauweisen  unterscheidet: das Griffbrett neigt sich am Ende in einem sanften Bogen, bis der Hals in den Kasten mündet. Das bedeutet in der Praxis, dass man nur bis zum 18. Griffpunkt spielen kann – gerade im Tsugaru-Repertoire wird in vielen Stücken die 19 oder gar die 20 gespielt. Diese Besonderheit ist zu beachten, wenn man auf einem Nagauta Shamisen Tsugaru Shamisen Musik spielen möchte.
Hosozao Shamisen finden meist Verwendung in Nagauta und Kouta-Musik. Nagauta, übersetzt “langes Lied“ ist die Musik, die das Bühnengeschehen im Kabuki-Theater ergänzt. Kouta “kleines Lied” ist die sanfte Musik der Geisha.

Chuuzao, typisch für Jiuta Shamisen

Chuuzao (wörtlich mittlerer Hals) Shamisen haben, wie der Name vermuten lässt, einen dickeren Hals als Hosozao. Dieser Bauart ist das Genre Jiuta Shamisen zugeordnet. Der Hals ist nicht nur breiter, sondern das Griffbrett endet mit einer schärferen Kante, bevor der Hals in den Korpus mündet und ermöglicht so einen weiteren Tonumfang beim Spielen. Der Korpus hat eine ähnliche Größe wie bei der Hosozao-Variante.

Futozao, typisch für Gidayu und Tsugaru Shamisen

Futozao (wörtlich dicker Hals) Shamisen sind deutlich kräftiger gebaut als Hosozao und Chuuzao. Der Hals ist breit und dick, und auch alle übrigen Teile des Instruments wirken robuster: der Tenjin, die Itomaki und der Dou. Außerdem ist der Korpus mit dickerer Haut bespannt, weil die dazugehörige Musik kraftvoller gespielt wird.

Koma, Saiten und Bachi

Da die verschiedenen Genres zwar mit einer typischen baulichen Ausprägung des Instruments verbunden sind, dies aber keine zwingende Paarung ist, lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen, welche Koma und Bachi mit den verschiedenen Genres und den entsprechenden Spielstilen korrespondieren. Daumenregel: Je rasanter der Stil, desto kräftiger das Instrument und die Saiten und desto kleiner das Zubehör.
Nagauta: hohes Koma, sehr großes Bachi
Jiuta: hohes Koma, mittelgroßes Bachi
Gidayu: sehr hohes Koma, großes Bachi
Tsugaru: flaches Koma, kleines Bachi

Ursprung und Geschichte der Shamisen

Unumstritten ist, dass die Shamisen ihren Ursprung nicht in Japan hat. Die chinesische Sanxian gilt als Vorgänger der Shamisen. Im späten 14. Jahrhundert soll sie  von chinesischen Händlern isn Königreich Ryuukyuu (dem heutigen Okinawa) überliefert worden sein, das mit Südchina rege Handelsbeziehungen pflegte.
Die optische Ähnlichkeit zwischen Sanxian und Sanshin ist frappierend. Die Ähnlichkeit zur Shamisen ist abgesehen von der Saitenzahl und der generellen Form weitaus weniger stark.
Während die Sanshin also sehr nah am „Original” blieb, gab es in der Entwicklung der Shamisen deutliche Abwandlungen. Als die Sanshin den Sprung auf das japanische Festland schaffte, unterlief sie eine zügige Japanisierung und wurde durch einen Transfer- und Mischprozess in die musikalische Welt der Biwa-Spieler und andere musikalischer Kontexte eingepasst und integriert.
Als die Shamisen über die Ryuukyuu nach Japan überliefert wurde, gehörten die Biwa-Spieler zu den ersten und einflussreichsten Gruppen, die die Shamisen aufnahmen. Nicht nur das Repertoire wurde in Teilen übertragen, sondern auch bestimmte Baumerkmale.
Der Korpus wurde größer und eckiger und die Bespannung wechselte zu Katzen- und Hundehaut, was zu einem volleren Klang verhalf. Der Hals wurde länger und der Tenjin entwickelte sich zu einer Mischform aus Sanshin und Biwa.
Eine für die Klangqualität ganz wichtige Ergänzung ist die Ergänzung um das heute für die Shamisen charakteristische Surren (Sawari), mit dem damals noch einige Biwa ausgestattet waren. Die für die Entwicklung der Spielweise mit wichtigste Abwandlung war die Form des Plektrums. Die chinesische Sanxian und die Sanshin aus Okinawa werden mit einem Fingerhut ähnlichen Plektrum gespielt, das aus der Spitze eines Wasserbüffelhorns geschnitzt und auf die Kuppe des Zeigefingers gesetzt wird. Die Saiten werden damit sanft angespielt.

 

Das neu entwickelte Bachi für Shamisen lehnt sich in seiner Form an das großen Plektrum der Biwa-Spieler an und ermöglicht kraftvolles Spiel:
Die Shamisen entwickelte sich so weit von der Sanshin weg, dass sie ein eigenständiges Instrument wurde und bald ein wichtiges Instrument sowohl in bestehenden als auch neu aufkommenden Musikgenres wurde. Beispiele sind das Volkstheaterkabuki, das Puppentheater bunraku, die Musik der Geisha, reisende Musiker, Volksmusik, religiöse Musik und jiuta (Kammermusik).
Die Shamisen machte ihren Weg bis in die nördlichsten Regionen, im Zuge dessen Shamisen-Musik unterschiedliche regionale Stile entwickelt hat.

Sanxian (三弦)

Bild vom MET-Museum

 

Als die Shamisen über die Ryuukyuu nach Japan überliefert wurde, gehörten die Biwa-Spieler zu den ersten und einflussreichsten Gruppen, die die Shamisen aufnahmen. Nicht nur das Repertoire wurde in Teilen übertragen, sondern auch bestimmte Baumerkmale.
Der Korpus wurde größer und eckiger und die Bespannung wechselte zu Katzen- und Hundehaut, was zu einem volleren Klang verhalf. Der Hals wurde länger und der Tenjin entwickelte sich zu einer Mischform aus Sanshin und Biwa.
Eine für die Klangqualität ganz wichtige Ergänzung ist die Ergänzung um das heute für die Shamisen charakteristische Surren (Sawari), mit dem damals noch einige Biwa ausgestattet waren. Die für die Entwicklung der Spielweise mit wichtigste Abwandlung war die Form des Plektrums. Die chinesische Sanxian und die Sanshin aus Okinawa werden mit einem Fingerhut ähnlichen Plektrum gespielt, das aus der Spitze eines Wasserbüffelhorns geschnitzt und auf die Kuppe des Zeigefingers gesetzt wird. Die Saiten werden damit sanft angespielt.
Das neu entwickelte Bachi für Shamisen lehnt sich in seiner Form an das großen Plektrum der Biwa-Spieler an und ermöglicht kraftvolles Spiel.

 

Verschiedene Bauweisen von Biwa mit dazugehörigem Plektrum.

By Gleolite – Own work, CC BY-SA 4.0

Die Shamisen entwickelte sich so weit von der Sanshin weg, dass sie ein eigenständiges Instrument wurde und bald ein wichtiges Instrument sowohl in bestehenden als auch neu aufkommenden Musikgenres wurde. Beispiele sind das Volkstheaterkabuki, das Puppentheater bunraku, die Musik der Geisha, reisende Musiker, Volksmusik, religiöse Musik und jiuta (Kammermusik).
Die Shamisen machte ihren Weg bis in die nördlichsten Regionen, im Zuge dessen Shamisen-Musik unterschiedliche regionale Stile entwickelt hat.
Cliffhanger? Ja! Bald gibt es aber mehr ausführliche Hintergrundbeiträge zu den einzelnen Genres, den Entwicklungen der unterschiedlichen Stile, zu Ikonen der Tsugaru-Shamisen-Musik und interessante Randthemen wie Kulturtransfer und Exotismus. Daneben arbeite ich an einer Reihe praktischer Tips wie Reisen mit dem Instrument, richtig Stimmen, Skalen und allerlei Dinge, die in diese Kategorie passen.
Ich freue mich immer über Fragen, Anregungen und Ergänzungen – zum Beispiel ganz einfach direkt über das Kontaktformular im Footer.
"Ich bin unmusikalisch." "Ich kann keine Noten lesen." "Ich habe kein Rhythmusgefühl.” - Wer sich hierin wiedererkennt, ist hier genau richtig. Schluss mit dem Unsinn! Ich veröffentliche diesen Artikel als einen der ersten überhaupt hier auf meiner Seite, weil ich es unheimlich wichtig finde, allen Betroffenen diesen Stachel zu ziehen. Jeder Mensch kann und sollte Musik machen!  Ich nehme meinen Abschlusssatz schon einmal voraus, um den Leuten, die jetzt anfangen, genervt ihren Kopf zu schütteln und die Augen zu rollen, den Wind aus den Segeln zu nehmen: Das hier ist kein Plädoyer à la "Jedes Kind ist hochbegabt" sein, denn diese Auffassung vertrete ich absolut nicht.
Also: Lesen, hinter die Ohren schreiben und weitersagen!

Musik muss sein

Jeder Mensch sollte Musik machen, denn Musik gehört mit zu den großartigsten Dingen im Leben. Jeder Mensch liebt Musik. Aber nicht jeder Mensch macht Musik. Und das, obwohl Musik Machen meiner Meinung nach den Genuss des Musik Hörens um ein Vielfaches übersteigt. Warum ist das so? Ganz einfach: Viele Menschen halten sich für “unmusikalisch” und trauen sich deshalb nicht, Musik zu machen.
Jedes Kind macht Musik, singt Lieder, tanzt seine wilden Tänze dazu, sprüht dabei vor purer Energie und Lebensfreude. Sie berauschen sich förmlich daran. Aus vielen - vielleicht sogar den meisten - dieser Kinder werden später Menschen, die später nie wieder Musik machen. Das ist furchtbar und das ist falsch! Und das will ich ändern.

 

Wie wir verlernten, musikalisch zu sein

Im Laufe der Schulzeit lernen wir viele überflüssige Sachen. Damit meine ich nicht die Dinge, die im Lehrplan stehen und die wir nur bis zur nächsten Klausur abspeichern und danach für immer in Vergessenheit geraten. Ich meine Dinge, die uns teilweise unser Leben lang begleiten. “Ich konnte noch nie mit Zahlen umgehen.” “Ich kann nicht gut vor Menschen reden.” “Ich sehe mit Pony blöd aus.” “Ich bin zu blöd für Mathe.” “Ich bin unmusikalisch.” Die Liste lässt sich noch lang weiter fortsetzen. 
Das sind alles Fehlkonzeptionen und negative Selbsteinschätzungen, die sich bei vielen von uns irgendwann mal einnisten, in unserer Kindheit und Jugend, wenn wir uns noch entwickeln und unsere Horizonte noch darauf warten, erweitert zu werden. Und seltsamerweise halten sich gerade solche kontraproduktiven Denkgewohnheiten hartnäckig und werden gar nicht mehr hinterfragt, während wir uns weiterentwickeln. Und dann stehen wir uns gerne selbst im Weg. Ich würde so gerne einen Marathon laufen, aber ich war schon immer unsportlich. Ich würde so gerne in einer Band spielen, aber ich bin unmusikalisch. 

 

Perfektionismus und Anspruch

Das Idealbild, das sich Marketingagenturen ausdenken und das in den Medien produziert und von uns reproduziert wird, verfestigt solche Gedankenkonstrukte. 
Musik und Musikalität werden bei uns in Europa seit einigen Jahrhunderten hochstilisiert. Virtuosität wird zum neuen Standard, Perfektionismus an jeder Ecke. Wir glauben Konzertkritikern, bei denen man sich teilweise fragt, wie sie morgens überhaupt noch in den Spiegel gucken können, weil sie offenbar völlig den Bezug zur Realität verloren haben, wenn sie selbst an exquisiten Künstlern der Spitzenklasse noch etwas auszusetzen haben. Es ist en vogue, vermeintliche Fehler und Mängel an anderen zu entdecken und aufzudecken. Die Imperfektion anderer wird dann auch noch zu Entertainment verwurstet: Dieter Bohlen macht Kandidaten bei DSDS runter, weil sie keinen Ton treffen - und wir lachen herzlich mit. Und werden uns selbst danach zum schärfsten Richter. 

Perfektionismus ist bei Ingenieuren, Chirurgen, in Atomkraftwerken und in anderen kleinen gesellschaftlichen Teilbereichen sicherlich anzustreben. Falsch ist aber, den Umkehrschluss zu ziehen, das alles, was nicht (zumindest annähernd) perfekt ist, unzureichend, minderwertig, schwach oder falsch ist. 

 

Musik kann jeder

Musik hat bei uns seine Natürlichkeit, seine Alltäglichkeit verloren. Ja, im Alltag strömt uns von überall Musik entgegen: Als Hintergrund in Film und Werbung, aus den Kopfhörern unseres Sitznachbarn in der Bahn, vielleicht noch als Straßenmusik auf der Einkaufsmeile. Aber das ist Musik, die wir passiv konsumieren. Aktives Musizieren, das ist uns abhanden gekommen. 
Früher hat man in der Kirche zusammen gesungen oder bei der Arbeit, eine Mutter summt ihrem Baby instinktiv etwas vor. Warum sind wir also heute so gehemmt? Musik ist so natürlich, will so selbstverständlich aus uns herausbrechen. Kinder und auch so mancher Erwachsene summen mit einem Lächeln auf den Lippen leise Melodien vor sich hin, wenn sie sich wohl fühlen, sie entspannt sind und sich freuen. Viele Sprachen - man lausche einfach mal einem angeregten Gespräch auf Italienisch, Japanisch, Französisch - sind unheimlich melodisch (Deutsch ist auf der Skala sicherlich recht weit unten angesiedelt, haha..). Musik macht glücklich. Wir sollten uns selbst nicht so beschneiden, indem wir uns diese Freude versagen.
Jetzt kommt’s, ich höre es förmlich schon: "Ich würde ja gerne ein Instrument spielen, aber.. 
Ich kann keine Noten lesen. Ich kann nicht hören, ob der Ton schief ist. Ich habe kein Rhythmusgefühl. Ich bin unmusikalisch.

Zu allem sage ich: Nein. Nix aber. Nix da “ich kann nicht”. Und vor allem: Das ist die falsche Einstellung. Wenn man etwas schaffen möchte, sich aber jeden Schritt des Weges selbst klein redet und von allen Menschen am meisten davon überzeugt ist, dass man es nicht kann, nicht schafft, nicht dazu fähig ist, dann ist das Selbstmanipulation. Das abzulegen ist nicht einfach. Sachen, die sich einmal festgesetzt haben, zu verlernen ist manchmal schwieriger als Sachen neu zu lernen. Aber es ist befreiend, es öffnet so viele neue Möglichkeiten, führt zu so viel Freude.

Ich will gar nicht davon anfangen, welche Studien das in welcher Form bestätigen und untermauern, denn wie wir mittlerweile wissen, lassen sich Leute von Fakten und Studien nicht überzeugen. Wie wäre es mit meinem gesunden Menschenverstand, meiner Erfahrung, und all den glücklichen Menschen, denen ich die Augen schon ein Stück geöffnet habe? Warum nicht einfach mal auf das Bauchgefühl hören? Denn jeder will doch, dass das wahr ist, das er fähig ist, dass er es kann, dass er es einfach nur tun muss. Das soll kein Plädoyer à la "Jedes Kind ist hochbegabt" sein, denn diese Auffassung vertrete ich absolut nicht. Aber Musik ist etwas, das uns so tief eingeschrieben ist.. Ich sage nicht, dass jeder Profimusiker werden kann und/oder sollte. Macht Musik vor allem für euch selbst. Wenn euch danach ist, macht Musik für andere. Aber macht Musik. Egal in welcher Form, in welchem Ausmaß.  

 

Ich helfe jedem, der mit sich ringt, von Herzen gerne dabei, Stück für Stück zu verstehen, dass er es kann, schafft, und tun sollte. Ich gebe euch hiermit die Erlaubnis, schief zu spielen, Fehler zu machen, nicht immer ganz im Rhythmus zu sein, euch ohne Scham und Reue auszuprobieren. Das wichtigste ist: Erstmal machen. Dann können wir zusammen an den Feinheiten arbeiten. 🙂 
w

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